Gott spricht:
Du sollst fröhlich sein und dich freuen über alles Gute, das der Herr, dein Gott,
dir und deiner Familie gegeben hat
6. Mose 26,11
Freue Dich! Freue Dich an dem, was Gott Dir schenkt! Freu Dich, dass Gott Dich versorgt! Gott lässt Bäume blühen, Früchte wachsen, Getreide sprießen. Wir säen und pflügen, wir arbeiten und sorgen uns – doch dass etwas wächst, gedeiht und reift, ist nie selbstverständlich. „Wir pflügen und wir streuen den Samen auf das Land; doch Wachstum und Gedeihen liegt in des Himmels Hand“, singen wir. Dieses Vertrauen prägt auch den oben genannten Vers.
Wer den Text im Zusammenhang liest, entdeckt: Dtn 26 zeichnet den langen Weg Israels nach – von Not und Fremdsein, Unterdrückung und Entbehrung hin zu Befreiung und Versorgung und einem neuen Anfang und der ersten Ernte im neuen Land. Die Freude, von der hier die Rede ist, steht am Ende einer Leidensgeschichte – und gleichzeitig mitten in einer neuen Geschichte, in der Gottes Fürsorge spürbar wird. Die erste Ernte im neuen Land ist Zeichen dieser Güte. Und ein Teil davon soll zurückgegeben werden: als Gabe an Gott, indem sie mit Priestern und Fremden geteilt wird. So wird deutlich: Die Ernte ist kein Besitz, den man hortet. Sie ist eine Gabe, die verwaltet und geteilt werden soll. Denn die Ernte gehört nicht den Menschen, die den Boden bearbeiten, sondern Gott, der wachsen lässt. Er versorgt und nährt seine Menschen. Und durch eine gerechte Verteilung werden alle versorgt – auch die Leviten, die kein eigenes Land bebauen, und die Fremden, die im Land wohnen. Boden bereiten, Steine sammeln, graben, pflügen, säen, pflanzen, pflegen, ausjäten, bewässern, stützen, pflücken, schneiden, sammeln, einbringen: Ernte bedeutet viel Arbeit für viele Menschen und doch ist das Gedeihen und Reifen der Pflanzen unverfügbar. Wir arbeiten, aber wir haben das Wachstum nicht in der Hand. Die Früchte unserer Mühe sind Gottes Geschenk. Wer erntet, ist zuerst Empfangender. Und aus Empfangenden werden Gebende, wenn sie teilen. Die Versorgten werden selbst zu Versorgerinnen und Versorgern. So sorgt Gott für alle.
Freude macht das sichtbar: Wir sind Empfangende und Versorgte. Wer sich über diese Versorgung Gottes freut, hält sie nicht für selbstverständlich. Er weiß, eine Ernte ist nie nur eigener „Besitz“. Nicht zum Horten und Wegsperren gedacht, um nur alleine in den Genuss zu kommen. Gottes Gaben sind zum Teilen bestimmt. Freude zeigt sich im Teilen – und das Teilen wird selbst zu einem Ausdruck der Freude.
Teile das Gute, das Dir geschenkt wurde, mit anderen. Lass sie an Deiner Freude teilhaben, indem Du sie an deiner Fülle teilhaben lässt. Gott versorgt – und die Freude erinnert an seine guten Taten. Dtn 26 begründet auf eindrückliche Weise eine Haltung, die aus der Erfahrung mit Gott erwächst: Dankbarkeit, die sich darin zeigt, dass ich mich anderen zuwende und mit ihnen teile.
Teile Deine Freude mit anderen, indem Du sie an dem Guten teilhaben lässt, mit dem Gott Dich versorgt.
Prof. Dr. Andreas Klimt, Theologische Hochschule Elstal